Germane

"Gleich nach dem Schlaf, den sie zumeist bis in den Tag hinein ausdehnen, waschen sie sich, öfters warm, da bei ihnen die meiste Zeit Winter herrscht. Nach dem Waschen nehmen sie eine Mahlzeit ein. Dann gehen sie an ihre Geschäfte, nicht weniger häufig auch zu Gelagen, und zwar in Waffen. Tag und Nacht ohne Unterbrechung zu zechen ist für niemand ein Vorwurf.

... Als Getränk haben sie eine Flüssigkeit, die aus Gerste oder Weizen gewonnen und zu etwas ähnlichem wie Wein vergoren ist."

(Tacitus-Germania, Bericht über Germanien)

 

Über therapeutische Aktivitäten im engeren Sinne, kurz vor der Wende des 1. Jahrhunderts n. Chr., existieren keine Überlieferungen. Tacitus berichtete lediglich von Händel unter Betrunkenen, die nur selten mit bloßen Schmähreden, öfter mit Totschlag und Verletzungen endeten.

Das 20. Jahrhundert war zunächst geprägt durch eine moralisierend-abwertende Haltung gegenüber dem Trinker. Die damals sogenannten Heilstätten wurden in der Regel von einem Arzt und einem Seelsorger geleitet. Der Trinker sollte durch Erziehung aus der "Selbstsucht des Genüsslings" erlöst werden, damit er nicht der "Verführung durch seine oft minderwertige Umgebung" ausgeliefert blieb.

Vor etwa 30 Jahren trat die moralische Bewertung der Abhängigkeit als Charakterschwäche zunehmend in den Hintergrund zu Gunsten eines Krankheitsverständnisses, das die Ursachen und Erscheinungsformen der Suchterkrankungen analysiert und wisenschaftlich gesicherte Behandlungsmethoden anwendet.